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Zukunft der Pflege als gesamtgesellschaftliche Aufgabe - Pflegeplanung 2019 für den Rhein-Sieg-Kreis liegt vor

Pressemitteilung von Mittwoch, 7. Oktober 2020 Rhein-Sieg-Kreis

Rhein-Sieg-Kreis (hei) – Jetzt liegt die Pflegeplanung 2019 für den Rhein-Sieg-Kreis vor. Daraus geht hervor: Im Rhein-Sieg-Kreis lebten zum Stichtag 31.12.2017 rund 24.000 pflegebedürftige Menschen. Der überwiegende Teil der Pflegebedürftigen wurde zu Hause gepflegt: Angehörige beziehungsweise ambulante Pflegedienste kümmerten sich um rund 19.000 Pflegebedürftige. 5.000 Personen lebten in stationären Einrichtungen und wurden dort versorgt.

Die Anzahl der pflegebedürftigen Menschen wird in den nächsten 20 Jahren rapide ansteigen. Nach Hochrechnungen von IT.NRW wird bis 2040 im Rhein-Sieg-Kreis mit einem sechsprozentigen Bevölkerungswachstum gerechnet, einem der höchsten Anstiege in Nordrhein-Westfalen. 634.000 Menschen werden bis dahin im Rhein-Sieg-Kreis leben, so die Prognose. Damit einher wird eine Veränderung in der Bevölkerungsstruktur gehen. Lebten zum 31.12.2017 90.000 Menschen im Alter von 65 bis 80 Jahren im Rhein-Sieg-Kreis, werden es 2040 rund 125.000 Personen sein. Bei den über 80-Jährigen wird mit einem Anstieg von 35.000 Personen auf 59.000 Personen gerechnet.

Welche Folgen dies für die Pflege in zwanzig Jahren haben kann, damit beschäftigt sich der 202 Seiten-starke Bericht zur Pflegeplanung 2019. Der Bericht, erstellt vom Sozialamt des Rhein-Sieg-Kreises unter Mitwirkung der kreisangehörigen Kommunen und der Mitglieder der Kommunalen Konferenz Alter und Pflege, wurde jüngst abschließend in dieser Konferenz beraten. Er beschreibt nicht nur detailliert den Ist-Zustand und legt so eine solide Planungsbasis vor, sondern entwickelt aufgrund der erhobenen Prognosen für die Kommunen und den Rhein-Sieg-Kreis Handlungsempfehlungen. Profile für alle 19 kreisangehörigen Kommunen stellen dar, wie sich die Situation in den Städten und Gemeinden prognostisch entwickeln wird.    

"Es wird darauf ankommen, Pflege und soziale Infrastruktur an die Alltagsbedürfnisse einer alternden Gesellschaft anzupassen", fasst Stephan Liermann, Leiter des Kreissozialamtes, ein wichtiges Ergebnis der Pflegeplanung 2019 im Rhein-Sieg-Kreis zusammen. Die Zahlen belegen: die meisten Menschen möchten bei Hilfebedürftigkeit und im Alter in ihrem gewohnten häuslichen Lebensumfeld bleiben. Dieses Bedürfnis deckt sich mit dem gesetzlich verankerten Grundsatz "ambulant vor stationär". Ein vorrangiges Ziel der Pflegeplanung ist die Stärkung der häuslichen Pflege. Hierfür ist die frühzeitige Durchführung einer guten Pflegeberatung ein wichtiges Segment.

Viele Abläufe des täglichen Lebens bedürfen aufgrund der demografischen Entwicklung der Neuorganisation. Darauf müssen sich nicht nur der Pflegesektor, sondern allgemein die Wirtschaft, Regionalplanung, Stadtentwicklung, Wohnungsunternehmen sowie Anbieter sozialer Dienste und Leistungen einstellen. Auch Tourismus, Handel und Dienstleistungsgewerbe sind gefordert, sich auf die Bedürfnisse älterer Menschen einzulassen, macht der Bericht deutlich. Besonders die Bereiche Wohnen, Wohnumfeld, Gesundheit, Pflege und bürgerschaftliches Engagement spielen für eine gute Versorgung eine wichtige Rolle. In vielen Fällen kann der Rhein-Sieg-Kreis nur den Anstoß geben, hat aber selber keine unmittelbare Handlungsmöglichkeit. Für die Zukunft der Pflege und im Interesse der Daseinsvorsorge für die Seniorinnen und Senioren im Rhein-Sieg-Kreis ist es erforderlich, dass alle Akteure zusammenarbeiten.

Welche Maßnahmen und Angebote notwendig sein werden, um auch zukünftig eine angemessene Versorgungsstruktur für pflegebedürftige Menschen im Rhein-Sieg-Kreis sicherzustellen, zeigt die Pflegeplanung auf. Sie steht im Internet unter www.rhein-sieg-kreis.de/pflegeplanung als Download zur Verfügung.

Die Kommunale Konferenz Alter und Pflege Der Kommunalen Konferenz Alter und Pflege gehören Vertreter bzw. Vertreterinnen des Rhein-Sieg-Kreises, von Städten und Gemeinden, von ambulanten Pflegediensten, von stationären Wohn- und Pflegeeinrichtungen, Heimbeiräten, von Pflegeversicherungen, der Medizinischen Dienste, von Seniorenvertretungen, von Integrationsräten, örtlichen Selbsthilfegruppen, der freien Wohlfahrtspflege sowie der Kreistagsfraktionen an. Zentraler Punkt sind die Sicherung und Weiterentwicklung der örtlichen Angebote im Pflegebereich.